Wer schon einmal einen Atlas aufgeschlagen, mit dem Smartphone navigiert, eine Wahlkarte betrachtet oder eine Wanderung geplant hat, hat unbemerkt mindestens drei verschiedene Kartenarten benutzt. Die Kartografie hat einen erstaunlich umfangreichen Katalog von Kartenstilen hervorgebracht, die jeweils auf eine andere Fragestellung zugeschnitten sind.
Dieser Leitfaden geht die wichtigsten heute gebräuchlichen Kartenarten durch, erklärt, wann welche Variante am besten funktioniert, und zeigt, wie sich diese mit der MapAtlas Maps API erzeugen lassen.
Zwei Familien: Referenzkarten und thematische Karten
Nahezu jede Karte fällt in eine von zwei Familien.
Eine Referenzkarte zeigt viele Merkmale gleichzeitig und behandelt sie als ungefähr gleich wichtig: Straßen, Flüsse, Ortschaften, Grenzen, Gelände, Points of Interest. Atlanten, Straßenkarten und die Standardansicht jeder Web-Mapping-Anwendung sind Referenzkarten. Sie beantworten die Frage „Was ist hier?".
Eine thematische Karte ordnet die Geografie einem einzelnen Datensatz unter und macht das Muster in diesem Datensatz über Farbe, Schattierung oder Symbole lesbar. Wahlergebnisse nach Region, Niederschlag pro Messstation oder Bevölkerungsdichte pro Zähleinheit sind allesamt thematische Karten. Sie beantworten die Frage „Wo konzentriert sich diese Sache und welches Muster zeigt sich?".
Das meiste, was folgt, lässt sich sauber in eine dieser beiden Familien einsortieren. Eine Handvoll Typen (Webkarten, schematische Karten, Kartogramme) verbiegt die Kategorien oder bewegt sich dazwischen.
Referenzkartentypen
Politische Karten
Politische Karten zeigen Grenzen, Hauptstädte und größere Städte. Die Farbpalette unterscheidet üblicherweise Länder oder Verwaltungseinheiten und nicht das Gelände. Politische Karten sind das, was die meisten Menschen vor Augen haben, wenn sie das Wort „Karte" hören, weil sie Schulbücher, Atlanten und Nachrichtengrafiken dominieren.
Physische Karten
Physische Karten zeigen natürliche Merkmale: Berge, Flüsse, Seen, Wüsten, Biome. Farbverläufe reichen typischerweise von Grün (Tieflagen) über Braun (Hochlagen) bis Weiß (hohe Gipfel). Politische Grenzen werden weggelassen oder zurückgenommen, damit die natürliche Geografie hervortritt.
Topografische Karten
Topografische Karten ergänzen die physischen Merkmale um ein präzises Höhenmodell, dargestellt durch Höhenlinien, die Punkte gleicher Höhe verbinden. Eng gebündelte Höhenlinien stehen für steiles Gelände, weit auseinanderliegende für flache Hänge. Wanderer, Vermesser und Militärplaner verlassen sich auf sie.
Straßenkarten
Straßenkarten priorisieren das Straßennetz: Autobahnen, Bundesstraßen, Knotenpunkte, Entfernungen. Sie enthalten Ortschaften und Orientierungselemente, der Rest der Geografie tritt jedoch zurück. Der Default-Stil der meisten Webkarten ist im Kern eine Straßenkarte unter anderem Namen.
See- und Luftfahrtkarten
Seekarten zeigen Küstenlinien, Wassertiefen (Lotungen und Tiefenlinien), navigatorische Gefahren, Tonnen und Befeuerung. Luftfahrtkarten zeigen Luftraumklassen, Navigationshilfen, Sperrgebiete und Geländewarnungen. Beide sind Referenzkarten, optimiert für Entscheidungen mit Sicherheitsrelevanz.
Thematische Kartentypen
Choroplethenkarten
Choroplethenkarten füllen vordefinierte Regionen (Länder, Landkreise, Postleitzahlbereiche) mit einer Farbe, die einen Wert kodiert. Sie funktionieren gut für normalisierte Daten (Raten, Prozentwerte, Pro-Kopf-Werte) und schlecht für absolute Zahlen, weil größere Regionen allein durch ihre Fläche wichtiger wirken.
Punktdichtekarten
Punktdichtekarten verteilen einen Punkt für jeweils N Vorkommen eines Phänomens. Das Auge liest die Punktwolke als Dichte, ohne dass Beschriftungen oder Zahlen nötig sind. Sie verarbeiten absolute Zahlen gut und vermeiden das Flächenverzerrungsproblem von Choroplethenkarten.
Karten mit proportionalen Symbolen
Karten mit proportionalen Symbolen platzieren an jedem Standort einen Kreis (oder eine andere Form) und skalieren ihn nach einem Wert. Sie sind hervorragend für absolute Zahlen an Punktstandorten geeignet: Kunden pro Filiale, Erdbebenmagnituden, Bevölkerung pro Stadt. Der Leser vergleicht zwei Städte direkt durch den Vergleich zweier Kreise.
Isarithmen- und Konturenkarten
Isarithmenkarten zeichnen Linien oder gefüllte Bänder gleichen Wertes über eine kontinuierliche Oberfläche. Topografische Höhenlinien, Isothermen in Wetterkarten, Isobaren des Luftdrucks und Höhenmodelle gehören alle in diese Familie.
Heatmaps
Heatmaps glätten Punktdaten zu einer kontinuierlichen Farbfläche, üblicherweise mittels einer Kerndichteschätzung. Sie eignen sich, um zu zeigen, wo sich Aktivität ballt, etwa Straftaten, Kundenabholungen oder Website-Klicks, projiziert auf eine Karte.
Kartogramme
Kartogramme verzerren die Größe von Regionen so, dass sie einem Wert statt der physischen Fläche entspricht. Ein Bevölkerungskartogramm kann ein kleines, aber bevölkerungsreiches Land so weit vergrößern, dass es die Karte dominiert. Kartogramme sind stark, wenn die physische Fläche den Leser in die Irre führen würde, brauchen aber Lesezeit, weil die Geografie selbst gebogen wird.
Dasymetrische Karten
Dasymetrische Karten verfeinern eine Choroplethendarstellung, indem sie Hilfsdaten (etwa Landbedeckung) nutzen, um den Wert in jene Teile der Region zu verlagern, in denen er tatsächlich auftritt. Eine dasymetrische Bevölkerungskarte entzieht Wäldern und Seen den Wert und konzentriert ihn auf Wohngebiete und liefert so ein ehrlicheres Bild als eine flache Choroplethenkarte.
Moderne und spezialisierte Kartenarten
Webkarten und Slippy Maps
Eine Webkarte ist die interaktive, zoom- und verschiebbare Karte, die in unzähligen Websites und Apps eingebettet ist. Gerendert wird sie aus Vektor- oder Raster-Tiles, die von einem Tile-Server ausgeliefert werden. Die zentrale Innovation ist die Slippy Map: Beim Verschieben werden neue Tiles nahtlos nachgeladen, beim Zoomen wechselt die Darstellung auf eine höhere Detailstufe. Praktisch jede Produktkarte, die Sie heute sehen, ist eine Webkarte.
Schematische Karten
Schematische Karten verzerren die Geografie absichtlich, um die Topologie zu verdeutlichen. Der Plan der Londoner Underground ist das berühmteste Beispiel: Stationen und Linien sind nach Lesbarkeit angeordnet, nicht nach ihren tatsächlichen Koordinaten. Schematische Karten funktionieren für jedes Netzwerk, in dem Verbindungen wichtiger sind als die physische Position.
Routenbasierte Karten: Isochronen, Isodistanzen, Fahrzeitgebiete
Eine Isochronenkarte zeigt die Fläche, die von einem Punkt aus innerhalb einer bestimmten Zeit erreichbar ist, etwa „alles innerhalb einer 30-minütigen Fahrt". Sie wird häufig für Standortwahl, Erreichbarkeitsanalysen und die Planung von Liefergebieten eingesetzt. Die MapAtlas Isochrone API erzeugt diese Polygone von einem beliebigen Startpunkt aus.
Echtzeit- und animierte Karten
Echtzeitkarten überlagern Live-Daten: Fahrzeugpositionen, Wetterradar, Flugbewegungen, Ankünfte des Nahverkehrs. Technisch sind das Webkarten mit einer zusätzlichen Zeitdimension. Animierte thematische Karten ergänzen historische Daten um eine vergleichbare Zeitachse: eine animierte Choroplethendarstellung der Bevölkerung über ein Jahrhundert oder eine Heatmap der Abholungen über einen Tag.
Den richtigen Typ wählen
Beginnen Sie bei der Frage. Möchte der Leser wissen „Wo ist X?", passt eine Referenzkarte. Möchte er verstehen „Wo konzentriert sich X und welches Muster zeigt sich?", passt eine thematische Karte. Von dort aus:
- Normalisierte Daten, an Verwaltungsregionen gebunden: Choroplethenkarte
- Absolute Zahlen an Punktstandorten: proportionale Symbole
- Absolute Zahlen über eine Fläche: Punktdichte
- Kontinuierliche Größe wie Höhe oder Temperatur: Isarithmen
- Aktivitätsdichte aus vielen Punkten: Heatmap
- Physische Fläche würde die Botschaft verfälschen: Kartogramm
- Netzwerkkonnektivität zählt mehr als Position: schematische Karte
- Erreichbarkeit von einem Punkt aus: Isochrone
Wählen Sie anschließend das Farbschema bewusst. Sequenzielle Schemata für geordnete Daten, divergierende Schemata für Daten mit einem aussagekräftigen Mittelwert, kategoriale Schemata für ungeordnete Kategorien.
Jede dieser Karten mit MapAtlas bauen
Die MapAtlas Maps API liefert Vektor-Tiles, Raster-Tiles und Styling-Werkzeuge, die jeden oben genannten Typ abdecken. Für Referenzkarten beginnen Sie mit einem Basis-Style und passen die sichtbaren Layer an. Für thematische Karten legen Sie Ihre Daten als GeoJSON ab und ergänzen einen Fill-, Circle- oder Heatmap-Layer mit einem datengetriebenen Ausdruck.
Für koordinatenbasierte Aufgaben (ein Symbol an einer Adresse platzieren, den Schwerpunkt einer Region berechnen) übernimmt das Koordinaten-Lookup-Tool den Schritt von Adresse zu Lat/Lng. Für Fahrzeit- und Erreichbarkeitsanalysen liefert die Isochrone API fertige Polygone zum Rendern.
Eine Karte ist ein Werkzeug zum Denken. Den richtigen Typ zu wählen ist die erste Hälfte der Arbeit, die zweite besteht darin, ihn so sauber zu rendern, dass der Leser das Denken selbst übernehmen kann.
Häufig gestellte Fragen
Welche Kartenarten gibt es grundsätzlich?
Karten lassen sich in zwei große Familien einteilen. Referenzkarten zeigen viele Merkmale gleichzeitig zur allgemeinen Orientierung: politische Karten (Grenzen, Hauptstädte), physische Karten (Relief, Flüsse, Biome), topografische Karten (Höhenlinien), Straßenkarten sowie See- und Luftfahrtkarten. Thematische Karten konzentrieren sich auf ein einzelnes Thema und nutzen Farbe oder Symbole, um dessen räumliches Muster sichtbar zu machen: Choroplethenkarten, Punktdichtekarten, Karten mit proportionalen Symbolen, Isarithmenkarten und Heatmaps sind die häufigsten Vertreter. Kartogramme, Webkarten und routenbasierte Karten wie Isochronen ergänzen das moderne Werkzeugset.
Was ist der Unterschied zwischen einer Referenzkarte und einer thematischen Karte?
Eine Referenzkarte versucht, viele reale Merkmale gleichzeitig darzustellen (Straßen, Flüsse, Ortschaften, Gelände) und behandelt sie als ungefähr gleichwertig. Eine thematische Karte stuft die Geografie zur ruhigen Basisebene zurück und nutzt Farbe oder Symbole, um das räumliche Muster eines konkreten Datensatzes hervorzuheben. Eine Atlasseite ist eine Referenzkarte. Eine Choroplethenkarte zur Wahlbeteiligung nach Region ist eine thematische Karte.
Was ist eine topografische Karte?
Eine topografische Karte stellt die dreidimensionale Form des Geländes über Höhenlinien dar: geschlossene Linienzüge, die Punkte gleicher Höhe verbinden. Eng beieinanderliegende Höhenlinien deuten auf steiles Gelände hin, weit auseinanderliegende auf sanfte Hänge. Topografische Karten enthalten zusätzlich Flüsse, Vegetation, Straßen und Gebäude, das definierende Merkmal bleibt aber das durch Höhenlinien dargestellte Höhenmodell.

